Dienstag, 29. September 2009

Wo kommen all die grauen Wolken her?


Aufgrund der Tatsache, dass die Welt untergeht, dann doch mal drei kurze Bemerkungen im verwaisten Blog.

1. Frau Merkel erklärt der Welt den Krieg und keiner merkt’s. In ihrem Wahlwerbespot, der ansonsten vor allem dadurch auffällt, dass Frau Merkel darin feststellt, sie sei „nicht als Kanzlerin geboren“ .. Moment, kurz dazu: Wie bitte darf man sich denn jemanden vorstellen, der „als Kanzler(in) geboren“ wird? Gibt es Menschen, die zum Zeitpunkt ihrer Geburt bereits Kanzler sind? Also: In der Demokratie? Oder Menschen, deren Lebensweg derartig vorbestimmt ist, dass alles auf die Kanzlerschaft hinausläuft? Wahrscheinlich spielt Merkel damit auf Gerhard Schröder an, Autoverkäufer aus dem Lippischen. Oder Helmut Schmidt, den ‚Vierteljuden’ aus Hamburg. Oder auf Herbert Frahm, den Sohn einer Verkäuferin aus Lübeck. Aber stimmt schon: als ehemaliges Kreisleitungsmitglied und Sekretärin für Agitation und Propaganda in der DDR kann man in Bezug auf Merkels Kanzlerschaft wahrlich nicht von Wahrscheinlichkeiten sprechen. Davon, dass sie zur Kanzlerin geboren ist. Zur! Stimmt, so heißt das eigentlich. „Ich bin nicht zur Kanzlerin geboren“. Jawohl, unterschrieben. Aber zurück zur Kriegserklärung: „Unsere soziale Marktwirtschaft muss in der ganzen Welt verankert werden“ sagt Merkel in ihrem Wahlwerbespot und man darf sich fragen, wann Frau Merkel denn entsprechende Vorschläge unterbreitet, in China, Russland, Nordkorea, oder, haha, im Iran. Ich wünsche mir einen Wahlwerbespot von Ahmadinedschad in dem er sagt: „Unsere islamische Gesellschaftsordnung muss in der ganzen Welt verankert werden.“

2. 33 + 15 ist genauso viel wie 38 + 10. In den 1990er Jahren musste man mal zwischenzeitlich „befürchten“, die FDP könnte unter 5 Prozent rutschen. Wer damals eine schwarz-gelbe Koalition wollte, war tatsächlich gut beraten, wenn er mit der Zweitstimme die FDP wählte, da natürlich eine FDP mit 4,5 Prozent aus dem Bundestag geflogen wäre und folglich nichts hätte beitragen können zum „bürgerlichen“ Lager. Aber dieses Jahr ist die Lage doch völlig anders: Die FDP stand in Umfragen bei mindestens 10 Prozent, warum also in Gottes Namen sollte ein CDU-Stammwähler aus taktischen Gründen die FDP wählen? Es ändert ja überhaupt nichts am Gesamtergebnis des Lagers! Das einzige, was der kluge Taktik-Wähler erreicht, ist, dass die FDP jetzt mehr Ministerposten bekommt als es seiner CDU eigentlich lieb ist. Und wenn man etwas spekulativ werden darf: Nur, weil die FDP aufgrund jener Leihstimmen so stark ist, ist eine Ampel, also das Gegenteil davon, was ein CDU-Wähler eigentlich will, rechnerisch möglich. Hätte also die CDU weniger Stimmen bekommen (solche, die dann nicht stattdessen der FDP zugefallen wären), dann hätte das gute FDP-Ergebnis dazu geführt, dass als Alternative zur Großen Koalition eine Ampel möglich gewesen wäre, womit – bei einem entsprechenden Wortbruchs Westerwelles – die klugen Taktikwähler ihrer Frau Merkel die Kanzlerschaft hätten kosten können.

3. Schlimmer als Triumphgeschrei ist aufgesetzte Besorgnis. Man musste ja befürchten, dass der Wahlsieger Westerwelle sich nach dem Erfolg breit grinsend zur Freiheitsstatue aufruft und man wollte schon gar nicht hingucken. Aber dann kam es wider Erwarten noch viel schlimmer. Guido verkündet mit Staatsmanns-Miene, jetzt gehe die Arbeit erst richtig los und man muss sich fragen: Glauben die Leute das jetzt plötzlich? Muss der die Nummer nur lange genug abziehen? Und man stellt fest: In einem Land, um das Guido Westerwelle sich sorgt, möchte man noch weniger leben, als in einem, durch das er im Guidomobil herumfährt.