‘Yes, things can be a parody
of what they first appear to be’
2008 Pt. 1
01 Kings of Leon: “Closer” [aus Only by the Night]
Gestartet als Südstaaten-Variante der Strokes stehen die Kings of Leon nunmehr kurz vor der U2-Werdung – jedenfalls hört man dem neuen Album deutlich an, dass die Familie (drei Brüder und ein Cousin) aus Tennessee ihre letzte Tour gemeinsam mit U2 bestritten. Befürchtungen, die Band könnten nun allzu sehr dem Mainstream fröhnen sind jedoch (noch?) unbegründet. Das englische Musikmagazin Q jedenfalls wählte Only by the Night zum Album des Jahres.
02 Get Well Soon: “You/Aurora/You/Seaside” [aus Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon]
Man darf es nicht zu laut sagen, aber Konstantin Gropper, der Mann hinter Get Well Soon, ist Absolvent der Mannheimer Pop-Akademie – in Indie-Kreisen sowas wie für Protestanten der Vatikan. Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon ist vor allem deshalb ein so beeindruckendes Stück Musik, weil es komplett in Eigenregie und in mehrjähriger Arbeit im Mini-Heimstudio (Laptop) entstand. Gropper lud dazu regelmäßig befreundete Musiker ein, so dass das Album so gar nicht nach Lo-Fi-Eigenbrötlerei klingt, sondern nach Opulenz und Orchester. Groppers prominentester Fan ist übrigens der Filmemacher und Musikliebhaber Wim Wenders.
03 Beck: “Orphans” [aus Modern Guilt]
Beck, der Eklektiker unter den Songwritern, hat zwar nicht so lange wie ein gewisser Axl Rose, aber doch einige Monate länger als geplant an seinem neuen Werk herumgeschraubt – unterstützt vom Produzenten und Gnarls-Barkley-Mastermind Danger Mouse. Vorab hieß es zurecht, eine Koproduktion der beiden Soundtüftler könnte nur entweder schrecklich verkopft oder ganz und gar großartig ausfallen. Ergebnis: Einige Songs gerieten fantastisch (allen die ersten drei!), andere hingegen arg fragmentarisch.
04 Adele: “Best for Last” [aus 19]
In der Riege junger, erfolgreicher vom Soul beseelter Frauen, die von Amy Winehouse torkelnd angeführt und von Duffy die 60s heraufbeschwörend flankiert wird, bildet Adele eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung. 19, ihr Debütalbum, das nach der Anzahl ihrer Lebensjahre betitelt ist, kommt ohne die große Showtreppe aus und lässt viel Raum für Adeles wirklich einmalige Stimme. Die Songs schrieb sie größtenteils selbst, spielt Gitarre und gelegentlich Bass und schafft den Spagat zwischen Top-Ten-Hit (“Chasing Pavements”) einerseits und gelungenem Bob-Dylan-Cover (“Make You Feel My Love”) andererseits.
05 Glen Hansard & Marketa Irglova: “Falling Slowly” [aus Once O.S.T.]
Der ausgewählte Song ist nichts geringeres als der diesjährige Oscar-Preisträger für den “Best Original Song”. Er stammt aus dem Film Once, in dem ein irischer Straßenmusiker auf eine tschechiche Pianistin trifft, sich (vielleicht) in sie verliebt und am Ende dann doch zu seiner großen verlorenen Liebe, die er in seinen Songs besingt, zurückkehrt. Glen Hansard, Sänger der in Irland (und nur dort!) enorm erfolgreichen Band The Frames, spielt den Straßenmusiker, Marketa Irglova seine Kumpanin. “Falling Slowly” setzte sich bei den Oscars gegen enorme Disney-Konkurrenz durch und wurde ein ebenso unwahrscheinlicher Hit wie der dazugehörige Film.
06 The Mountain Goats: “Heretic Pride” [aus Heretic Pride]
Hinter dem Pseudonym The Mountain Goats verbirgt sich der amerikanische Songwriter John Darnielle. Als Home-Recording-Artist gestartet hatte Darnielle lange Zeit zwei Prämissen: 1. Keine Produktionsstudios, 2. Keine Texte über sein eigenes Leben. Beides gab er in diesem Jahrzehnt auf. Während jedoch die professionellere Produktion seinen Songs bestens steht, schien das autobiographische Schreiben sein Melodiegefühl zuletzt zu blockieren. In Heretic Pride geht es folgerichtig wieder um fiktive Charaktere – und Darnielle findet zur alten Form.
07 The Wedding Present: “Spider-Man on Hollywood”[aus El Rey]
Eine Ur-Indie-Band der 1980er Jahre, die nach langer Pause 2004 wieder zusammenfand und nun wieder mit Produzent Steve Albini (produzierte u. a. Nirvanas In Utero) zusammenarbeitet, wobei Albini wohl nur auf Start und Stop drücken muss, denn der Sound der Band lebt gerade von seiner Unmittelbarkeit und Kargheit. Das die BBC-Legende John Peel ein Förderer und Bewunderer der Band war, verwundert nicht.
08 Sigur Ros: “Gobbledigook” [aus Med Sud I Eyrum Vid Spilum End]
Die eigentlich zum ausufernden 10-Minuten-Epos neigenden Isländer haben ihr aktuelles Album unaussprechlichen Titels in diesem Jahr erstmals außerhalb ihrer Heimat produziert und dabei Gefallen an etwas gewohnteren (wenn auch nicht gewöhnlichen) Songstrukturen gefunden. Ein Song erklingt sogar auf englisch – bislang hatte man stets entweder auf isländisch oder aber in einer frei erfunden Fantasiesprache gesungen, wobei die Unterschiede dem geneigten Mitteleuropäer kaum aufgefallen sein dürften.
09 Madrugada: “Look Away Lucifer” [aus Madrugada]
Das selbstbetitelte Album der norwegischen Band Madrugada ist so etwas wie die bessere Nick-Cave-Platte des Jahres und Dokument des tragischen Todes ihres Gitarristen und Songschreibers Robert Buras, der während der Produktion unter ungeklärten Umständen in Oslo verstarb. Naturgemäß klingen Songs wie “Look Away Lucifer” in der Restrospektive wie eine böse Prophezeihung.
10 The Raconteurs: “Consolers of the Lonely” [aus Consolers of the Lonely]
The Raconteurs entwickeln sich vom Nebenprojekt zum Hauptinteresse Jack Whites (The White Stripes) und Brendan Bensons, die ihre Expertise in Blues-Indie-Rock (White) und Pop-Gespür (Benson) auf ihrem Zweitlingswerk noch gelungener zusammenbringen als auf dem Debüt von 2006. Textlich bewegt man sich gar in bester amerikanischer Tradition in den Archiven des Folks und schreibt geradezu Topical Songs.
11 dEUS: “Oh Your God” [aus Vantage Point]
dEUS sind Indie-Helden der frühen 1990er Jahre, gerieten außerhalb ihrer Heimat Belgien hernach jedoch etwas aus dem Fokus. Vantage Point ist ihr bestes Album seit langem und besticht durch so beeindruckendes Songwriting, dass man dEUS zu den besten europäischen Bands außerhalb Britanniens zählen muss. Wer in diesem Jahr ein Album für jeden Zeitpunkt, jede Gemütslage und jede Situation sucht, wird nirgendwo besser fündig – ein dichtes, vielschichtiges aber dennoch zugängliches Werk ohne einen einzigen schwachen Song.
12 Counting Crows: “Cowboys” [aus Saturday Nights & Sunday Mornings]
Die Counting Crows rennen seit 15 Jahren der einsamen Klasse ihres Debüts August and Everything After hinterher, die sie auf den Nachfolgewerken nur song- oder momenteweise erreichten. Einer dieser Momente ist sicherlich der den Song unerwartet verlangsamende Refrain von “Cowboys” und das gesamte Album repräsentiert die wohl besten Counting Crows seit ihren Glanzzeiten.
13 The Hold Steady: “Lord, I’m Discouraged” [aus Stay Positive]
Springsteen, na klar. Trotz deutlich erkennbarer Vorbilder sind The Hold Steady eine Ausnahmeerscheinung des amerikanischen Rockbetriebes, denn kaum eine Band vereint brillante Texte mit fast klassicher Rockmusik, Tradition und Moderne so überzeugend wie eben The Hold Steady. “Lord, I’m Discouraged” enthält zudem das beste Gitarrensolo seit mindestens “November Rain”.
14 Elvis Costello & The Imposters: “Flutter and Wow” [aus Momofuku]
Ende der 1970er reüssierte Costello als Kreuzung aus Punker und Bankangestelltem in zu kleinen Anzügen und mit übergroßer Hornbrille. Inzwischen hat Costello mit allem, was Rang und Namen hat, kollaboriert und dabei nicht nur Blues, Jazz, Country und Rock gespielt, sondern zuletzt sogar ein Stück Klassische Musik komponiert. Sein aktuelles Album entstand am Rande einer Session mit der Musikerin Jenny Lewis und ist nach dem Erfinder der Tütensuppe benannt – wie Costello angibt, seien die Aufnahmen so problemlos, schnell und einfach verlaufen wie die Zubereitung einer solchen: “Just add water!”
15 Ryan Adams & The Cardinals: “Let Us Down Easy” [aus Cardinology]
Der Unvermeidliche. Kein Jahr vergeht ohne mindestens ein neues Ryan-Adams-Album, wobei man sich gelegentlich gewünscht hat, der Vielschreiber hätte eine etwas konsequentere Qualitätskontrolle betrieben. Cardinology jedoch ist – trotz einiger Classic-Rock-Ausreißer – eines seiner besten Alben und besticht vor allem durch die inzwischen hörbare Eingespieltheit mit seiner Backing-Band The Cardinals.
16 John Mellencamp: “Longest Days” [aus Life Death Love and Freedom]
Mellencamp, der in den 1970ern als Johnny Cougar debüttierte, hat sich vielleicht erst mit dieser Platte endgültig vom Classic-Rock-Singalong seiner frühen Jahre emanzipiert. Galt er lange Jahre als der schwächere Springsteen, aber der bessere Bon Jovi, ist Life Death Love and Freedom ein reifes, nachdenkliches Werk, das T-Bone Burnett gewohnt großartig und die große amerikanische Songtradition evozierend produziert hat.
17 Tom Liwa und Die Blauen Flecken: “Crazy Tom” [aus Komm Jupiter]
Nach der letztjährigen Reunion seiner Band Flowerpornoes legt Liwa in diesem Jahr sein vielleicht bestes Solowerk vor. Unter weitgehendem Verzicht auf Liwas gelegentlichen Hang zur Esoterik geht Humoreskes hier einher mit Traurig-Schönem. Liwas Romantik ist schlicht und intelligent und seine Figuren könnten ebensogut 50, 15 oder 5 Jahre alt sein.
18 The Notwist: “Gloomy Planets” [aus The Devil, You & Me]
Die Soundtüftler aus Weilheim in Bayern sind die einzige deutsche Band deren neues Werk selbst im fernen Amerika sehnlichst erwartet wurde – gar die ehrwürdige New York Times widmete dem Trio einen Artikel. Wenn The Devil, You & Me auch der Klasse von Neon Golden (2002) wenig hinzuzufügen hat, ist das Album dennoch ein würdiger Nachfolger, der den Notwist-Sound weiter zu einer eigenen musikalischen Gattung fortspinnt.
19 American Music Club: “The Sleeping Beauty” [aus The Golden Age]
Nach dem Comeback 2004 gab es erneut bandinternen Streit, der noch heftiger wurde, als Sänger Mark Eitzel beschloss, auch ohne einige Mitglieder der Originalbesetzung unter dem Namen American Music Club zu veröffentlichen. The Golden Age ist trotz dieser lauten Töne das leiseste aller bisherigen AMC-Alben und wohl deswegen zunächst weniger zugänglich, was jedoch hier wie so oft ein Versprechen für Tiefgang und klangliche Ästhetik ist.
20 Oasis: “Falling Down” [aus Dig Out Your Soul]
Niemand ist an einem weiteren mittelmäßigen Oasis-Album nach den Großtaten der 1990er interessiert. Dig Out Your Soul ist (einmal mehr!) das beste Album seit damals, jedoch meilenweit von alter Stärke entfernt. Insbesondere die nicht von Noel Gallagher geschriebenen Stücke lassen sehr zu wünschen übrig und plätschern ohne größeren Erinnerungswert dahin. “Falling Down” hingegen stammt aus Noels Feder und muss sich überhaupt nicht vor der großen Historie schämen.
‘Check your handbook, it’s no trick’
2008 Pt. 2
01 Fleet Foxes: “White Winter Hymnal” [aus Fleet Foxes]
Harmoniegesang schien eine abgelegte Kunstform zu sein bis diese Band aus Seattle (!) ihm zur Wiedergeburt verhalf. Zwischen Crosby, Still & Nash und jüngeren Kollegen wie My Morning Jacket singen sich die Fleet Foxes in den Indie-Himmel – ihr Album gilt als eines der vielversprechendsten Debüts des Jahres.
02 Vampire Weekend: “Oxford Comma” [aus Vampire Weekend]
Vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit rief das Debüt der Band Vampire Weekend hervor, die vor allem dadurch auffiel, dass sie Anleihen bei afrikanischer Weltmusik in ihren New Yorker Indierock einbauten. Auch textlich bestechen Vampire Weekend durch ihren anspielungs- und kenntnisreichen Humor. “Oxford Comma” etwa befasst sich tatsächlich mit einem Streitfall in der Zeichensetzung.
03 TV on the Radio: “Crying” [aus Dear Science,]
TV on the Radio sind sowas wie die Vorzeige-Indie-Rocker, da sie Elektronika mit Indie und Pop verbinden und dabei viel Raum für Experimentierfreude lassen. Diese allerdings fällt zu Gunsten des Pops auf ihrem aktuellem Album etwas geringer aus – was sich jedoch eher positiv denn negativ auswirkt. Kopfhörer empfohlen!
04 Wolf Parade: “Soldier’s Grin” [aus At Mount Zoomer]
Wie so viele erstklassige Band dieser Tage stammen Wolf Parade aus Kanada, wobei engere Kontakte zum kanadischen Musiker-Kollektiv Broken Social Scene nicht bekannt sind. Allerdings sind Teile von At Mount Zoomer in der selben Kirche (!) aufgenommen worden wie das letzte Werk der Kanadier Arcade Fire. Um noch eine weitere Referenz zu nennen: Modest Mouse.
05 Bowerbirds: “In Our Talons” [aus Hymns for a Dark Horse]
John Darnielle von den Mountain Goats (s. o.) nennt die Bowerbirds seine neue Lieblingsband. Die Musiker stammen aus North Carolina und benannten sich nach einem Vogel der Familie der Ptilonorhynchidae (der Grund für diese Wahl ist nicht überliefert). Die Musikrichtung, der die Bowerbirds fröhnen, lässt sich wohl als Nu- oder Anti-Folk bezeichnen und gefällt vor allem wegen seiner zwischen Unbeschwertheit und Depression changierenden Stimmung.
06 Jackson Browne: “Time the Conqueror” [aus Time the Conqueror]
“Nobody cares but Jackson Browne” sang Randy Newman kürzlich halb verächtlich halb angerührt in einem seiner Songs über den Mann, der seit den 1970ern unbeirrt für den Frieden singt. Dieses Ansinnen ist nicht nur gerade wieder im Trend, sondern gerät auf Brownes aktuellem Werk auch so überzeugend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Brownes Musik war und ist dabei keineswegs aggressiv, sondern bleibt zurückhaltender und gepflegter Pop – das dieses hier ein Kompliment ist, spricht wie natürlich für die Qualität des Albums.
07 Nick Cave & The Bad Seeds: “Moonland” [aus Dig, Lazarus, Dig!!!]
Alte Meister, Teil 2. Nick Cave kann überhaupt keine schlechte Platte aufnehmen und Dig, Lazarus, Dig!!! ist so grandios produziert, dass man nur den Hut ziehen kann. Caves Meldodien allerdings waren schon einfallsreicher und die hier zelebrierte Schnoddrigkeit kann die Grandezza des Meisterwerks No More Shall We Part (2001) nicht durchgängig ersetzen.
08 Rodney Crowell: “I Want You #35” [aus Sex & Gasoline]
Alte Meister, Teil 3. Der ehemalige Country-Held hat sich mit Joe Henry einen der derzeit besten Produzenten ausgesucht und mit Sex & Gasoline ein teils altersweises, teil erstaunlich kesses Spätwerk aufgenommen auf dem er gegen Bush und die Öl-Lobby ebenso wettert wie gegen die Fürsprecher der “Intelligent Design”-These. Daneben ist, wie bei “I Want You #35”, Raum für erfreulich ungewöhnliche Liebeslieder.
09 Niels Frevert: “Baukran” [aus Du kannst mich an der Ecke rauslassen]
Frevert hatte mit seiner Band Nationalgalerie Mitte der 1990er mal einen halben Hit („Eveline“), der auf MTV gespielt wurde und auf dem Bravo-Hits-Sampler landete. Seit über zehn Jahren ist Frevert Solokünster, Du kannst mich an der Ecke rauslassen ist vielleicht sein bisher bestes Album. Üppig mit Streichern verziert singt Frevert zwischen Indierock und Liedermacher ohne Angst vor ungewöhnlichen Bildern.
10 Element of Crime: “Robert Zimmermann” [aus Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe O.S.T.]
Die Band um Sänger Sven Regener („Herr Lehmann“) ist seit Jahren in Deutschland ohne Konkurrenz. In diesem Jahr veredelten sie den urkomischen Leander-Haußmann-Film Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe in gewohnter Klasse und schwelgen in textlichen und musikalischen Anspielungen auf den echten Robert Zimmermann aus Duluth, Minnesota.
11 Hospital Bombers: “Jackoff” [aus Footnotes]
Schön, dass es noch Label gibt, deren Veröffentlichungen man blind kaufen kann – so bei der niederländischen Plattenfirma Excelsior, bei der etwa auch die fantastischen Spinvis erscheinen. Footnotes ist vielleicht kein Album für die Ewigkeit, aber eine herzerfrischende Angelegenheit, weil es nichts weiter sein will als eine Sammlung schöner Songs für Grillparties im Sommer.
12 The Cure: “The Only One” [aus 4:13 Dream]
Es wird gerne behauptet, die späten Alben von The Cure würden nicht an die Meisterwerke der 1980er Jahre heranreichen, und das mag mitunter auch zutreffen. Meisterhafte Spätwerke wie Bloodflowers (2000) fallen dabei allerdings gerne unter den Tisch und auch 4:13 Dream ist mehr als ein Abschreiten alter Territorien. Vielmehr beweist Sänger Robert Smith hier ein um’s andere Mal seine Ausnahmestellng als einer der besten Songwriter Britanniens.
13 Ben Folds: “Dr Yang” [aus Way to Normal]
Folds, der auf seiner letzten Platte noch das Glück seiner Ehe besang, ist mittlerweile geschieden, hat jedoch – wie etwa der Song “Bitch went nuts” beweist – seinen Humor nicht verloren. Trotzdem ist Way to Normal seine bislang schwächste Soloplatte, die Folds restlichem Oeuvre nichts Wesentliches hinzufügen kann. Jedoch ist eine eher schwache Ben-Folds-Platte freilich immer noch besser als 90 Prozent der sonstigen Veröffentlichungen und Songs wie “Dr Yang” sprechen für anhaltende Spielfreude.
14 The Last Shadow Puppets: “Standing Next to Me” [aus The Age of the Understatement]
Die Band ist ein Side-Project von Alex Turner (Arctic Monkeys) und Miles Kane (The Rascals), die sich offenbar zum Hören alter Ennio-Morricone-Aufnahmen trafen, um dann in diesem Geiste eine Reihe von Songs zu schreiben und umgehend aufzunehmen. Nicht alle Songs sind so gut wie “Standing Next to Me”, aber das Experiment insgesamt kann als gelungen bezeichnet werden.
15 Death Cab for Cutie: “Bixby Canyon Bridge” [aus Narrow Stairs]
Der ehemalige Indie-Geheimtipp spielte sich mit den letzten Alben in den O.C.-California-Mainstream. Ob des Erfolgs müde geworden, war man für das neue Album um Veränderung bemüht – mit Erfolg, denn Death Cab for Cutie entdeckten den Prog Rock für sich und spielen ihre Songs nun gerne mal 8 Minuten lang, tempo- und taktwechsel inklusive.
16 Sun Kil Moon: “Moorestown” [aus April]
In Deutschland kaum wahrgenommen, hat der ehemalige Red-House-Painter Mark Kozelek alias Sun Kil Moon das – für mich – beste Album des Jahres 2008 aufgenommen. Allein die mehr als 25 (!) Minuten der Songs “Lost Verses”, “The Light” und “Tonight in Bilbao” sind von berückender Schönheit, die sich in “Moorestown” in komprimierter Form wiederfindet. Das Album ist klanglich wie poetisch von einer Perfektion, die in diesem Jahr nirgendwo sonst zu finden ist.
17 Lambchop: “I’m Thinking of a Number (between 1 and 2)” [aus OH (Ohio)]
Spätestens seit Is a Woman (2002) gelten Lambchop zurecht als eine der besten Bands Amerikas. OH (Ohio) schließt an vergangene Großtaten an und gerät songorientierter und präziser als der direkte Vorgänger Damaged (2006). Öffentliche Aufmerksamkeit gewannen Lambchop in diesem Jahr vor allem durch ihre Veröffentlichungspolitik: Das Album lag der deutschen Ausgabe des Rolling-Stone-Magazins kostenlos bei.
18 Conor Oberst: “Lenders in the Temple” [aus Conor Oberst]
Conor Obersts Band Bright Eyes war lange mit ihm selbst identisch, die Musiker kamen und gingen. Kaum hatte sich mit Cassadaga (2007) eine feste Bandformation gefunden, zog es Oberst auf Solopfade, die ihn in ein einsames Studio in Mexiko führten. Die Songs seines Quasi-Solo-Debüts klingen folgerichtig wesentlich weniger opulent als das letzte Band-Werk, jedoch wird die Lo-Fi-Ästhetik des frühen Bright-Werk-Oeuvres nicht reanimiert. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, zeigt Oberst auch solo, dass er einer der besten Songwriter seiner Generation ist.
19 The Acorn: “Hold Your Breath” [aus Glory Hope Mountain]
Der Songschreiber mit dem deutsch anmutenden Namen Rolf Klausener stammt aus Kanada und besingt auf diesem Album seine aus Honduras stammende Mutter namens Gloria Esperanza Montoya – der Albumtitel ist entsprechend zu dechiffrieren. Das hispanische Element fügt sich sehr gut ein in den Pop-Folk-Rock der Band, die die große Geste nicht scheut. Ein weiteres erfreuliches Debüt des Jahres.
20 The Subways: “Alright” [aus All or Nothing]
Die vielleicht derzeit unenglischste Band des Vereinigten Königreichs. Im Brit-Rock-Boom der letzten Jahre eher eine Randnotiz mauserten sich The Subways mit ihrem neuen Album zu einem Hoffnungsträger und Live-Ereignis. Schützenhilfe erhielt man von keinem geringeren als Produzent Butch Vig, der auch für epochale Werke wie Siamese Dream (Smashing Pumpkins) und Nevermind (Nirvana) verantwortlich zeichnete.