Freitag, 9. Januar 2009

Two Sides of Winter in Münster




Mittwoch, 10. Dezember 2008

Liner Notes.

‘Yes, things can be a parody
of what they first appear to be’
2008 Pt. 1

01 Kings of Leon: “Closer” [aus Only by the Night]
Gestartet als Südstaaten-Variante der Strokes stehen die Kings of Leon nunmehr kurz vor der U2-Werdung – jedenfalls hört man dem neuen Album deutlich an, dass die Familie (drei Brüder und ein Cousin) aus Tennessee ihre letzte Tour gemeinsam mit U2 bestritten. Befürchtungen, die Band könnten nun allzu sehr dem Mainstream fröhnen sind jedoch (noch?) unbegründet. Das englische Musikmagazin Q jedenfalls wählte Only by the Night zum Album des Jahres.

02 Get Well Soon: “You/Aurora/You/Seaside” [aus Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon]
Man darf es nicht zu laut sagen, aber Konstantin Gropper, der Mann hinter Get Well Soon, ist Absolvent der Mannheimer Pop-Akademie – in Indie-Kreisen sowas wie für Protestanten der Vatikan. Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon ist vor allem deshalb ein so beeindruckendes Stück Musik, weil es komplett in Eigenregie und in mehrjähriger Arbeit im Mini-Heimstudio (Laptop) entstand. Gropper lud dazu regelmäßig befreundete Musiker ein, so dass das Album so gar nicht nach Lo-Fi-Eigenbrötlerei klingt, sondern nach Opulenz und Orchester. Groppers prominentester Fan ist übrigens der Filmemacher und Musikliebhaber Wim Wenders.

03 Beck: “Orphans” [aus Modern Guilt]
Beck, der Eklektiker unter den Songwritern, hat zwar nicht so lange wie ein gewisser Axl Rose, aber doch einige Monate länger als geplant an seinem neuen Werk herumgeschraubt – unterstützt vom Produzenten und Gnarls-Barkley-Mastermind Danger Mouse. Vorab hieß es zurecht, eine Koproduktion der beiden Soundtüftler könnte nur entweder schrecklich verkopft oder ganz und gar großartig ausfallen. Ergebnis: Einige Songs gerieten fantastisch (allen die ersten drei!), andere hingegen arg fragmentarisch.

04 Adele: “Best for Last” [aus 19]
In der Riege junger, erfolgreicher vom Soul beseelter Frauen, die von Amy Winehouse torkelnd angeführt und von Duffy die 60s heraufbeschwörend flankiert wird, bildet Adele eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung. 19, ihr Debütalbum, das nach der Anzahl ihrer Lebensjahre betitelt ist, kommt ohne die große Showtreppe aus und lässt viel Raum für Adeles wirklich einmalige Stimme. Die Songs schrieb sie größtenteils selbst, spielt Gitarre und gelegentlich Bass und schafft den Spagat zwischen Top-Ten-Hit (“Chasing Pavements”) einerseits und gelungenem Bob-Dylan-Cover (“Make You Feel My Love”) andererseits.

05 Glen Hansard & Marketa Irglova: “Falling Slowly” [aus Once O.S.T.]
Der ausgewählte Song ist nichts geringeres als der diesjährige Oscar-Preisträger für den “Best Original Song”. Er stammt aus dem Film Once, in dem ein irischer Straßenmusiker auf eine tschechiche Pianistin trifft, sich (vielleicht) in sie verliebt und am Ende dann doch zu seiner großen verlorenen Liebe, die er in seinen Songs besingt, zurückkehrt. Glen Hansard, Sänger der in Irland (und nur dort!) enorm erfolgreichen Band The Frames, spielt den Straßenmusiker, Marketa Irglova seine Kumpanin. “Falling Slowly” setzte sich bei den Oscars gegen enorme Disney-Konkurrenz durch und wurde ein ebenso unwahrscheinlicher Hit wie der dazugehörige Film.

06 The Mountain Goats: “Heretic Pride” [aus Heretic Pride]
Hinter dem Pseudonym The Mountain Goats verbirgt sich der amerikanische Songwriter John Darnielle. Als Home-Recording-Artist gestartet hatte Darnielle lange Zeit zwei Prämissen: 1. Keine Produktionsstudios, 2. Keine Texte über sein eigenes Leben. Beides gab er in diesem Jahrzehnt auf. Während jedoch die professionellere Produktion seinen Songs bestens steht, schien das autobiographische Schreiben sein Melodiegefühl zuletzt zu blockieren. In Heretic Pride geht es folgerichtig wieder um fiktive Charaktere – und Darnielle findet zur alten Form.

07 The Wedding Present: “Spider-Man on Hollywood”[aus El Rey]
Eine Ur-Indie-Band der 1980er Jahre, die nach langer Pause 2004 wieder zusammenfand und nun wieder mit Produzent Steve Albini (produzierte u. a. Nirvanas In Utero) zusammenarbeitet, wobei Albini wohl nur auf Start und Stop drücken muss, denn der Sound der Band lebt gerade von seiner Unmittelbarkeit und Kargheit. Das die BBC-Legende John Peel ein Förderer und Bewunderer der Band war, verwundert nicht.

08 Sigur Ros: “Gobbledigook” [aus Med Sud I Eyrum Vid Spilum End]
Die eigentlich zum ausufernden 10-Minuten-Epos neigenden Isländer haben ihr aktuelles Album unaussprechlichen Titels in diesem Jahr erstmals außerhalb ihrer Heimat produziert und dabei Gefallen an etwas gewohnteren (wenn auch nicht gewöhnlichen) Songstrukturen gefunden. Ein Song erklingt sogar auf englisch – bislang hatte man stets entweder auf isländisch oder aber in einer frei erfunden Fantasiesprache gesungen, wobei die Unterschiede dem geneigten Mitteleuropäer kaum aufgefallen sein dürften.

09 Madrugada: “Look Away Lucifer” [aus Madrugada]
Das selbstbetitelte Album der norwegischen Band Madrugada ist so etwas wie die bessere Nick-Cave-Platte des Jahres und Dokument des tragischen Todes ihres Gitarristen und Songschreibers Robert Buras, der während der Produktion unter ungeklärten Umständen in Oslo verstarb. Naturgemäß klingen Songs wie “Look Away Lucifer” in der Restrospektive wie eine böse Prophezeihung.

10 The Raconteurs: “Consolers of the Lonely” [aus Consolers of the Lonely]
The Raconteurs entwickeln sich vom Nebenprojekt zum Hauptinteresse Jack Whites (The White Stripes) und Brendan Bensons, die ihre Expertise in Blues-Indie-Rock (White) und Pop-Gespür (Benson) auf ihrem Zweitlingswerk noch gelungener zusammenbringen als auf dem Debüt von 2006. Textlich bewegt man sich gar in bester amerikanischer Tradition in den Archiven des Folks und schreibt geradezu Topical Songs.

11 dEUS: “Oh Your God” [aus Vantage Point]
dEUS sind Indie-Helden der frühen 1990er Jahre, gerieten außerhalb ihrer Heimat Belgien hernach jedoch etwas aus dem Fokus. Vantage Point ist ihr bestes Album seit langem und besticht durch so beeindruckendes Songwriting, dass man dEUS zu den besten europäischen Bands außerhalb Britanniens zählen muss. Wer in diesem Jahr ein Album für jeden Zeitpunkt, jede Gemütslage und jede Situation sucht, wird nirgendwo besser fündig – ein dichtes, vielschichtiges aber dennoch zugängliches Werk ohne einen einzigen schwachen Song.

12 Counting Crows: “Cowboys” [aus Saturday Nights & Sunday Mornings]
Die Counting Crows rennen seit 15 Jahren der einsamen Klasse ihres Debüts August and Everything After hinterher, die sie auf den Nachfolgewerken nur song- oder momenteweise erreichten. Einer dieser Momente ist sicherlich der den Song unerwartet verlangsamende Refrain von “Cowboys” und das gesamte Album repräsentiert die wohl besten Counting Crows seit ihren Glanzzeiten.

13 The Hold Steady: “Lord, I’m Discouraged” [aus Stay Positive]
Springsteen, na klar. Trotz deutlich erkennbarer Vorbilder sind The Hold Steady eine Ausnahmeerscheinung des amerikanischen Rockbetriebes, denn kaum eine Band vereint brillante Texte mit fast klassicher Rockmusik, Tradition und Moderne so überzeugend wie eben The Hold Steady. “Lord, I’m Discouraged” enthält zudem das beste Gitarrensolo seit mindestens “November Rain”.

14 Elvis Costello & The Imposters: “Flutter and Wow” [aus Momofuku]
Ende der 1970er reüssierte Costello als Kreuzung aus Punker und Bankangestelltem in zu kleinen Anzügen und mit übergroßer Hornbrille. Inzwischen hat Costello mit allem, was Rang und Namen hat, kollaboriert und dabei nicht nur Blues, Jazz, Country und Rock gespielt, sondern zuletzt sogar ein Stück Klassische Musik komponiert. Sein aktuelles Album entstand am Rande einer Session mit der Musikerin Jenny Lewis und ist nach dem Erfinder der Tütensuppe benannt – wie Costello angibt, seien die Aufnahmen so problemlos, schnell und einfach verlaufen wie die Zubereitung einer solchen: “Just add water!”

15 Ryan Adams & The Cardinals: “Let Us Down Easy” [aus Cardinology]
Der Unvermeidliche. Kein Jahr vergeht ohne mindestens ein neues Ryan-Adams-Album, wobei man sich gelegentlich gewünscht hat, der Vielschreiber hätte eine etwas konsequentere Qualitätskontrolle betrieben. Cardinology jedoch ist – trotz einiger Classic-Rock-Ausreißer – eines seiner besten Alben und besticht vor allem durch die inzwischen hörbare Eingespieltheit mit seiner Backing-Band The Cardinals.

16 John Mellencamp: “Longest Days” [aus Life Death Love and Freedom]
Mellencamp, der in den 1970ern als Johnny Cougar debüttierte, hat sich vielleicht erst mit dieser Platte endgültig vom Classic-Rock-Singalong seiner frühen Jahre emanzipiert. Galt er lange Jahre als der schwächere Springsteen, aber der bessere Bon Jovi, ist Life Death Love and Freedom ein reifes, nachdenkliches Werk, das T-Bone Burnett gewohnt großartig und die große amerikanische Songtradition evozierend produziert hat.

17 Tom Liwa und Die Blauen Flecken: “Crazy Tom” [aus Komm Jupiter]
Nach der letztjährigen Reunion seiner Band Flowerpornoes legt Liwa in diesem Jahr sein vielleicht bestes Solowerk vor. Unter weitgehendem Verzicht auf Liwas gelegentlichen Hang zur Esoterik geht Humoreskes hier einher mit Traurig-Schönem. Liwas Romantik ist schlicht und intelligent und seine Figuren könnten ebensogut 50, 15 oder 5 Jahre alt sein.

18 The Notwist: “Gloomy Planets” [aus The Devil, You & Me]
Die Soundtüftler aus Weilheim in Bayern sind die einzige deutsche Band deren neues Werk selbst im fernen Amerika sehnlichst erwartet wurde – gar die ehrwürdige New York Times widmete dem Trio einen Artikel. Wenn The Devil, You & Me auch der Klasse von Neon Golden (2002) wenig hinzuzufügen hat, ist das Album dennoch ein würdiger Nachfolger, der den Notwist-Sound weiter zu einer eigenen musikalischen Gattung fortspinnt.

19 American Music Club: “The Sleeping Beauty” [aus The Golden Age]
Nach dem Comeback 2004 gab es erneut bandinternen Streit, der noch heftiger wurde, als Sänger Mark Eitzel beschloss, auch ohne einige Mitglieder der Originalbesetzung unter dem Namen American Music Club zu veröffentlichen. The Golden Age ist trotz dieser lauten Töne das leiseste aller bisherigen AMC-Alben und wohl deswegen zunächst weniger zugänglich, was jedoch hier wie so oft ein Versprechen für Tiefgang und klangliche Ästhetik ist.

20 Oasis: “Falling Down” [aus Dig Out Your Soul]
Niemand ist an einem weiteren mittelmäßigen Oasis-Album nach den Großtaten der 1990er interessiert. Dig Out Your Soul ist (einmal mehr!) das beste Album seit damals, jedoch meilenweit von alter Stärke entfernt. Insbesondere die nicht von Noel Gallagher geschriebenen Stücke lassen sehr zu wünschen übrig und plätschern ohne größeren Erinnerungswert dahin. “Falling Down” hingegen stammt aus Noels Feder und muss sich überhaupt nicht vor der großen Historie schämen.


‘Check your handbook, it’s no trick’
2008 Pt. 2

01 Fleet Foxes: “White Winter Hymnal” [aus Fleet Foxes]
Harmoniegesang schien eine abgelegte Kunstform zu sein bis diese Band aus Seattle (!) ihm zur Wiedergeburt verhalf. Zwischen Crosby, Still & Nash und jüngeren Kollegen wie My Morning Jacket singen sich die Fleet Foxes in den Indie-Himmel – ihr Album gilt als eines der vielversprechendsten Debüts des Jahres.

02 Vampire Weekend: “Oxford Comma” [aus Vampire Weekend]
Vielleicht noch mehr Aufmerksamkeit rief das Debüt der Band Vampire Weekend hervor, die vor allem dadurch auffiel, dass sie Anleihen bei afrikanischer Weltmusik in ihren New Yorker Indierock einbauten. Auch textlich bestechen Vampire Weekend durch ihren anspielungs- und kenntnisreichen Humor. “Oxford Comma” etwa befasst sich tatsächlich mit einem Streitfall in der Zeichensetzung.

03 TV on the Radio: “Crying” [aus Dear Science,]
TV on the Radio sind sowas wie die Vorzeige-Indie-Rocker, da sie Elektronika mit Indie und Pop verbinden und dabei viel Raum für Experimentierfreude lassen. Diese allerdings fällt zu Gunsten des Pops auf ihrem aktuellem Album etwas geringer aus – was sich jedoch eher positiv denn negativ auswirkt. Kopfhörer empfohlen!

04 Wolf Parade: “Soldier’s Grin” [aus At Mount Zoomer]
Wie so viele erstklassige Band dieser Tage stammen Wolf Parade aus Kanada, wobei engere Kontakte zum kanadischen Musiker-Kollektiv Broken Social Scene nicht bekannt sind. Allerdings sind Teile von At Mount Zoomer in der selben Kirche (!) aufgenommen worden wie das letzte Werk der Kanadier Arcade Fire. Um noch eine weitere Referenz zu nennen: Modest Mouse.

05 Bowerbirds: “In Our Talons” [aus Hymns for a Dark Horse]
John Darnielle von den Mountain Goats (s. o.) nennt die Bowerbirds seine neue Lieblingsband. Die Musiker stammen aus North Carolina und benannten sich nach einem Vogel der Familie der Ptilonorhynchidae (der Grund für diese Wahl ist nicht überliefert). Die Musikrichtung, der die Bowerbirds fröhnen, lässt sich wohl als Nu- oder Anti-Folk bezeichnen und gefällt vor allem wegen seiner zwischen Unbeschwertheit und Depression changierenden Stimmung.

06 Jackson Browne: “Time the Conqueror” [aus Time the Conqueror]
“Nobody cares but Jackson Browne” sang Randy Newman kürzlich halb verächtlich halb angerührt in einem seiner Songs über den Mann, der seit den 1970ern unbeirrt für den Frieden singt. Dieses Ansinnen ist nicht nur gerade wieder im Trend, sondern gerät auf Brownes aktuellem Werk auch so überzeugend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Brownes Musik war und ist dabei keineswegs aggressiv, sondern bleibt zurückhaltender und gepflegter Pop – das dieses hier ein Kompliment ist, spricht wie natürlich für die Qualität des Albums.

07 Nick Cave & The Bad Seeds: “Moonland” [aus Dig, Lazarus, Dig!!!]
Alte Meister, Teil 2. Nick Cave kann überhaupt keine schlechte Platte aufnehmen und Dig, Lazarus, Dig!!! ist so grandios produziert, dass man nur den Hut ziehen kann. Caves Meldodien allerdings waren schon einfallsreicher und die hier zelebrierte Schnoddrigkeit kann die Grandezza des Meisterwerks No More Shall We Part (2001) nicht durchgängig ersetzen.

08 Rodney Crowell: “I Want You #35” [aus Sex & Gasoline]
Alte Meister, Teil 3. Der ehemalige Country-Held hat sich mit Joe Henry einen der derzeit besten Produzenten ausgesucht und mit Sex & Gasoline ein teils altersweises, teil erstaunlich kesses Spätwerk aufgenommen auf dem er gegen Bush und die Öl-Lobby ebenso wettert wie gegen die Fürsprecher der “Intelligent Design”-These. Daneben ist, wie bei “I Want You #35”, Raum für erfreulich ungewöhnliche Liebeslieder.

09 Niels Frevert: “Baukran” [aus Du kannst mich an der Ecke rauslassen]
Frevert hatte mit seiner Band Nationalgalerie Mitte der 1990er mal einen halben Hit („Eveline“), der auf MTV gespielt wurde und auf dem Bravo-Hits-Sampler landete. Seit über zehn Jahren ist Frevert Solokünster, Du kannst mich an der Ecke rauslassen ist vielleicht sein bisher bestes Album. Üppig mit Streichern verziert singt Frevert zwischen Indierock und Liedermacher ohne Angst vor ungewöhnlichen Bildern.

10 Element of Crime: “Robert Zimmermann” [aus Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe O.S.T.]
Die Band um Sänger Sven Regener („Herr Lehmann“) ist seit Jahren in Deutschland ohne Konkurrenz. In diesem Jahr veredelten sie den urkomischen Leander-Haußmann-Film Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe in gewohnter Klasse und schwelgen in textlichen und musikalischen Anspielungen auf den echten Robert Zimmermann aus Duluth, Minnesota.

11 Hospital Bombers: “Jackoff” [aus Footnotes]
Schön, dass es noch Label gibt, deren Veröffentlichungen man blind kaufen kann – so bei der niederländischen Plattenfirma Excelsior, bei der etwa auch die fantastischen Spinvis erscheinen. Footnotes ist vielleicht kein Album für die Ewigkeit, aber eine herzerfrischende Angelegenheit, weil es nichts weiter sein will als eine Sammlung schöner Songs für Grillparties im Sommer.

12 The Cure: “The Only One” [aus 4:13 Dream]
Es wird gerne behauptet, die späten Alben von The Cure würden nicht an die Meisterwerke der 1980er Jahre heranreichen, und das mag mitunter auch zutreffen. Meisterhafte Spätwerke wie Bloodflowers (2000) fallen dabei allerdings gerne unter den Tisch und auch 4:13 Dream ist mehr als ein Abschreiten alter Territorien. Vielmehr beweist Sänger Robert Smith hier ein um’s andere Mal seine Ausnahmestellng als einer der besten Songwriter Britanniens.

13 Ben Folds: “Dr Yang” [aus Way to Normal]
Folds, der auf seiner letzten Platte noch das Glück seiner Ehe besang, ist mittlerweile geschieden, hat jedoch – wie etwa der Song “Bitch went nuts” beweist – seinen Humor nicht verloren. Trotzdem ist Way to Normal seine bislang schwächste Soloplatte, die Folds restlichem Oeuvre nichts Wesentliches hinzufügen kann. Jedoch ist eine eher schwache Ben-Folds-Platte freilich immer noch besser als 90 Prozent der sonstigen Veröffentlichungen und Songs wie “Dr Yang” sprechen für anhaltende Spielfreude.

14 The Last Shadow Puppets: “Standing Next to Me” [aus The Age of the Understatement]
Die Band ist ein Side-Project von Alex Turner (Arctic Monkeys) und Miles Kane (The Rascals), die sich offenbar zum Hören alter Ennio-Morricone-Aufnahmen trafen, um dann in diesem Geiste eine Reihe von Songs zu schreiben und umgehend aufzunehmen. Nicht alle Songs sind so gut wie “Standing Next to Me”, aber das Experiment insgesamt kann als gelungen bezeichnet werden.

15 Death Cab for Cutie: “Bixby Canyon Bridge” [aus Narrow Stairs]
Der ehemalige Indie-Geheimtipp spielte sich mit den letzten Alben in den O.C.-California-Mainstream. Ob des Erfolgs müde geworden, war man für das neue Album um Veränderung bemüht – mit Erfolg, denn Death Cab for Cutie entdeckten den Prog Rock für sich und spielen ihre Songs nun gerne mal 8 Minuten lang, tempo- und taktwechsel inklusive.

16 Sun Kil Moon: “Moorestown” [aus April]
In Deutschland kaum wahrgenommen, hat der ehemalige Red-House-Painter Mark Kozelek alias Sun Kil Moon das – für mich – beste Album des Jahres 2008 aufgenommen. Allein die mehr als 25 (!) Minuten der Songs “Lost Verses”, “The Light” und “Tonight in Bilbao” sind von berückender Schönheit, die sich in “Moorestown” in komprimierter Form wiederfindet. Das Album ist klanglich wie poetisch von einer Perfektion, die in diesem Jahr nirgendwo sonst zu finden ist.

17 Lambchop: “I’m Thinking of a Number (between 1 and 2)” [aus OH (Ohio)]
Spätestens seit Is a Woman (2002) gelten Lambchop zurecht als eine der besten Bands Amerikas. OH (Ohio) schließt an vergangene Großtaten an und gerät songorientierter und präziser als der direkte Vorgänger Damaged (2006). Öffentliche Aufmerksamkeit gewannen Lambchop in diesem Jahr vor allem durch ihre Veröffentlichungspolitik: Das Album lag der deutschen Ausgabe des Rolling-Stone-Magazins kostenlos bei.

18 Conor Oberst: “Lenders in the Temple” [aus Conor Oberst]
Conor Obersts Band Bright Eyes war lange mit ihm selbst identisch, die Musiker kamen und gingen. Kaum hatte sich mit Cassadaga (2007) eine feste Bandformation gefunden, zog es Oberst auf Solopfade, die ihn in ein einsames Studio in Mexiko führten. Die Songs seines Quasi-Solo-Debüts klingen folgerichtig wesentlich weniger opulent als das letzte Band-Werk, jedoch wird die Lo-Fi-Ästhetik des frühen Bright-Werk-Oeuvres nicht reanimiert. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, zeigt Oberst auch solo, dass er einer der besten Songwriter seiner Generation ist.

19 The Acorn: “Hold Your Breath” [aus Glory Hope Mountain]
Der Songschreiber mit dem deutsch anmutenden Namen Rolf Klausener stammt aus Kanada und besingt auf diesem Album seine aus Honduras stammende Mutter namens Gloria Esperanza Montoya – der Albumtitel ist entsprechend zu dechiffrieren. Das hispanische Element fügt sich sehr gut ein in den Pop-Folk-Rock der Band, die die große Geste nicht scheut. Ein weiteres erfreuliches Debüt des Jahres.

20 The Subways: “Alright” [aus All or Nothing]
Die vielleicht derzeit unenglischste Band des Vereinigten Königreichs. Im Brit-Rock-Boom der letzten Jahre eher eine Randnotiz mauserten sich The Subways mit ihrem neuen Album zu einem Hoffnungsträger und Live-Ereignis. Schützenhilfe erhielt man von keinem geringeren als Produzent Butch Vig, der auch für epochale Werke wie Siamese Dream (Smashing Pumpkins) und Nevermind (Nirvana) verantwortlich zeichnete.

Montag, 25. August 2008

Hail, Hail, Rock n' Roll

Nie habe ich England so geliebt wie gestern. Olympia. Peking lädt zur großen Abschlussfeier mit einem Brimborium, dass André Heller und Kim Jong-Il ihre helle Freude gehabt hätten. Leuchtende Farben, Massen von Menschen, absonderliche Kostüme und dazu immer wieder dieses leicht debile Lächeln mit exakt sechs zu sehenden Zähnen. Und just als man sich fragt, warum einen diese zweifellos gigantischen Bilder mal so gar nicht beeindrucken, da erlebt die Welt den Auftritt des Bürgermeisters von London. Der schlendert mit offenem Sakko lässig neben dem stocksteifen Pekinger Amtskollegen auf das Podium und wedelt ein wenig belustigt mit der Olympischen Flagge hin und her, die der Mann aus Peking soeben noch eher hilflos, IOC-Präsident Rogge dagegen äußerst bedeutungsschwanger geschwungen hatten. Es wird der Trailer zu den Olympischen Spielen 2012 in London gezeigt und so viel Indie bei Olympia war noch nie. Die Spiele, 2008 ungefähr so cool wie ein Toyota Corolla (OK, der ist aus Japan, aber trotzdem), werden in eine Art punkigen Comic-Version von London versetzt, dass man fast geneigt ist, mit einem Kasten Beck's und einem Rundgrill vor dem Stadion zu zelten. Dann fährt ein roter Doppeldecker-Bus in die Arena aus dem später David Beckham entsteigen wird, aber das ist eher zweitrangig. Der große Moment kommt, da Jimmy Page, der große Led-Zeppelin-Gitarrist und seine Gibson Les Paul aus dem Bus auftauchen und gemeinsam mit Leona Lewis den ganzen chinesischen Schmu mit einem einzigen Rockriff kontern. Die Spiele in Peking mögen in vieler Hinsicht perfekt gewesen sein, aber sie hatten keinen Humor, keinen Sex-Appeal, keinen Rock n' Roll. Und wir haben gelernt: Der Unterschied zwischen Peking und London besteht in 'a whole lotta love'.

Montag, 31. Dezember 2007

Nimm mein Mixtape, Babe.

Hier der Versuch einer Best-Of-2007 Doppel-CD. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

CD1:
1. Modest Mouse: March Into The Sea
2. The Electric Soft Parade: If That's The Case, Then I Don't Know
3. Bloc Party: Uniform
4. Andrew Bird: Heretics
5. Maximo Park: Books From Boxes
6. Jack Penate: Got My Favourite
7. Field Music: Working To Work
8. Arcade Fire: Keep The Car Running
9. Flowerpornoes: Rock N' Roll
10. Paul Dimmer Band: Ersatz Für Dich
11. Destroyer: European Oils
12. Cold War Kids: Hang Me Up To Dry
13. Laura Veirs: Cast A Hook
14. The National: Fake Empire
15. Kilians: When Will I Ever Get Home
16. Okkervil River: Our Life Is Not A Movie Or Maybe
17. Stars: In Our Bedroom After The War
18. Ryan Adams: Oh My God, Whatever, Etc.

CD2:
1. Kings Of Leon: Knocked Up
2. Editors: Smokers At The Hospital Doors
3. Bright Eyes: Hot Knives
4. Radiohead: Bodysnatchers
5. Kante: Wer Hierher Kommt, Will Vor Die Tür
6. Patrick Wolf: The Magic Position
7. Wilco: Impossible Germany
8. Joe Henry: Parker's Mood
9. The Hives: Tick Tick Boom
10. Get Cape. Wear Cape. Fly: War Of The Worlds
11. Bruce Springsteen: You'll Be Coming Down
12. The Good, The Bad & The Queen: History Song
13. The Weakerthans: Virtute The Cat Explains Her Departure
14. Keren Ann: Lay Your Head Down
15. Smashing Pumpkins: Tarantula
16. Richard Thompson: Guns Are The Tongues
17. Windmill: Fluorescent Lights

Freitag, 28. Dezember 2007

Der Taschenmann.

Wirren der Sprache: Da gibt es irgendwo in Holland einen Mann, der Taschen verkauft, oder herstellt, oder einfach irgendwie auffällig ist aufgrund von Taschen. Sie nennen ihn: Taschenmann - Tasman. Dann heißt irgendwann seine Familie so und sein Urgroßenkel und wer nicht sonst noch alles und es gerät ganz in Vergessenheit, dass die Familie Tasman jemals was mit Taschen zu tun hatte. Jetzt sticht einer der Tasmans in See, landet in Australien und gibt einer Insel dort seinen Namen. Bis man wieder vergisst, dass man Tasmanien sagt nur wegen dieses Tasmans. Und dann - Treppenwitz der Geschichte - lebt da ein Tier auf Tasmanien, das man Teufel nennt. Der Räuber auf der Insel des Taschenmannes ist - ein Beuteltier.

Freitag, 7. Dezember 2007

Birgit Prinz und das Ende des Feminismus.

Frauenfußball war hier bei 104bgb schon einmal Thema, aber die Diskussion auch außerhalb des Blogs hält an, so dass ich hier mal wieder versuchen will, meine Thesen zu systematisieren. Der Grundgedanke lautet: In Sachen Frauenfußball wird hinsichtlich der Fernsehübertragung mit zweierlei Maß gemessen - und am Ende orientiert sich doch wieder alles an den Männern.

Der Reihe nach: Es ist zunächst mal bemerkenswert, dass der Sport, neben dem Toilettenhäuschen, der einzige gesellschaftliche Bereich zu sein scheint, bei dem strukturell nach Frauen und Männer getrennt wird. Das geht beim Sport genau so weit, wie eine durchgehende Unterlegenheit der Frauen im Spitzenbereich angenommen wird. Beispiel 100-m-Lauf: Es gibt weltweit Millionen Frauen, die die 100m schneller laufen können als Millionen Männer - im Spitzensport jedoch sind Männer konstant eine halbe Sekunde schneller als Frauen. Das lässt sich neutral bewerten als Körperbau-Vorteil für die Männer und kann insofern auch nicht kritisiert werden. Es sagt ja auch nichts über die Qualität des Sports aus, ist doch aufgrund des insofern angeglichenen Niveaus ein 100m-Finale der Frauen genauso spannend wie eines der Männer. Die Männer/Frauen-Trennung hört beim Sport im Übrigen konsequenterweise da auf, wo der Körperbau keine Rolle spielt - siehe Reit- und Motorsport.

Jetzt stellt sich die Frage: Welcher Sport wird im Fernsehen übertragen? Hier zeigt sich ein zumeist ausgeglichenes Bild: Bei der Leichtathletik werden Männer und Frauen gleich häufig gezeigt. beim Biathlon zum Beispiel auch, beim Tennis ebenfalls (da dauern nur die Matches bei den Männern meist länger). Bei manchen Sportarten jedoch werden Unterschiede gemacht: Manchmal sieht man nur die Männer (Beispiel Radsport), bei wieder anderen deutlich mehr Frauen (insbesondere Eisschnelllauf). Was ist also hier das Selektionskriterium? Mann vs. Frau kann es ja offenkundig nicht sein. Nun, es wird wohl, wie in Medien üblich, mit der Relevanz des Gegenstands zu tun haben: Eisschnelllauf der Männer hat (in Deutschland) nunmal keine Relevanz, weil die deutschen Männer seit Jahren der Weltspitze hinterher fahren, während die Frauen konstant erfolgreich sind. Warum soll das Fernsehen also ein Scheitern dokumentieren? Beim Radsport hingegen liegt der Fall etwas anders: Hier sind deutsche Frauen durchaus erfolgreich, aber dennoch wird Frauen-Radsport fast nie gezeigt. Haben wir sie also nun endlich gefunden, die Benachteiligung?

Ich vermute etwas anderes: Die Frage nach deutschen Erfolgen ist scheinbar nicht das einzige Selektionskriterium. Es gibt viele Sportarten, bei denen Deutsche erfolgreich sind, Frauen wie Männer, und die trotzdem im Fernsehen fast nie zu sehen sind (Paddel- und Rudersport würde mir einfallen oder Sportschießen). Worum geht es dann? Ich glaube es hat was mit dem Professionalisierungsgrad zu tun und mit dem tatsächlichen öffentlichen Interesse, wobei beides zusammenspielt: Der Professionalisierungsgrad des Sportschießens ist niedrig - das öffentliche Interesse ist gering - das Fernsehen überträgt nicht. Die Situation kann nun im Einzelfall auch so aussehen, dass der Professionalisierungsgrad im Männerbereich hoch ist - wie beim Radsport - und daher öffentliches Interesse für den insofern "guten Sport" vorhanden ist, während dieses im Frauenbereich nicht so ist. Es gibt auch den umgekehrten Fall: Nimmt man einmal den Eiskunstlauf, da gibt es auch Männer die diesen Sport betreiben, aber ihr Professionalisierungsgrad ist niedrig, bei den Frauen ist er hoch, ergo besteht öffentliches Interesse und Eiskunstlauf der Frauen wird übertragen.

Nun besteht meine These eben darin, dass diese Mechanismen beim Frauenfußball über den Haufen geworfen werden. Der Professionalisierungsgrad beim Frauenfußball ist sehr gering - in Deutschland ist keine Frau Profi-Fußballerin, es sei denn, sie spielt noch nebenbei in USA. Man erkennt das auch an den Wettbewerben: Die Frauenfußball-Bundesliga ist unausgeglichen, es gewinnen immer dieselben Teams, Spiele enden oft mit Kantersiegen. Auch international ist das zu beobachten: Bei der Frauen-Fußball-WM gewann Deutschland 11:0 gegen Argentinien, wobei insbesondere deren Torfrau den Eindruck erweckte, ihren Sport noch nicht allzulange auszuüben. Kaum vorzustellen, dass Argentinien sich in der Qualifikation zur WM gegen andere Mannschaften durchgesetzt haben soll. Solche Unterschiede gibt es eben in professionalisierten Sportarten nicht - beim Frauen-100m-Finale geht es ebenso wie bei den Männern um Hundertstelsekunden, beim Frauen-Tennis gibt es regelmäßig hochspannende Matches und unterschiedliche Siegerinnen.

Der oben beschriebene Mechanismus greift nun durchaus noch in Bezug auf das öffentliche Interesse, denn: Die Stadien sind leer. Die Frauenfußball-Bundesliga findet quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Für das Frauenfußball-Pokalfinale gelten auch die Karten des Männerfinales - trotzdem füllt sich das Stadion erst, wenn das Spiel der Frauen vorbei ist. Und doch: Das Fernsehen überträgt. Geringe Professionalisierung, geringes öffentliches Interesse, aber dennoch. Der Befund ist eindeutig: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Frauen-Radsport zeigt keiner, Männer-Eiskunstlaufen auch nicht, aber Frauenfußball gibt es stundenlang zur besten Sendezeit, gibt es auf der Titelseite der Bild-Zeitung, gibt es als erste Meldung in der Tagesschau.

Aber wieso? Mir scheint die einzige denkbare Erklärung zu sein: Weil es eben Fußball ist. Fußball dieser Sport, der wie kein zweiter auf einem Männerklischee aufbaut: Kurze Hosen, Kampf, Einsatz, Kameradschaft bei den Aktiven, Grölen, Saufen, tumbe Gefolgschaft bei den Zuschauern. So lautet die Botschaft: Fußball, eine klassische Männer-Domäne wird durchbrochen, Frauen spielen auch Fußball - und das auch noch erfolgreich. So sieht man dann die Waldi Hartmänner da stehen mit Gönnermiene: Unsere Mädels, die können was!

Entschuldigung, aber das ist Emanzipation auf Bierzelt-Niveau. Das ist Weiberfastnacht Reloaded. Ein alberner Penis-Witz. Das ist ein Mechanismus nach dem Motto: Jetzt dürfen aber auch mal die Frauen! Soll feministisches Denken sich darauf reduzieren lassen? Kann man sich das als Frau gefallen lassen? Taugt eine Birgit Prinz, die einen schwach professionalierten Sport ausübt, der normalerweise keinen Menschen interessiert zum Symbol für die Emanzipationsbewegung?

Ich finde: Das Gegenteil ist der Fall. Die Tatsache, dass Frauenfußball im Fernsehen übertragen wird, folgt einem präemanzipatorischen Argumentationsmuster und entspricht einem Denken, das sich strukturell von den Frühsiebzigern (als der DFB Frauen-Fußball noch verbat) nicht unterscheidet.

Montag, 3. Dezember 2007

"Ich oder das Chaos!"

... so lautet offenbar die Botschaft des russischen Präsidenten. Ob das so ist, ob auf Putin wirklich das Chaos folgen würde, lässt sich kaum beurteilen. Fakt ist: Vor Putin, da war das Chaos. Da war ein Alkoholiker, ein Busengrabscher an der Macht, aber immerhin, so fand der Westen, der war Demokrat. Ein lupenreiner vielleicht sogar. Und der konnte mit dem Bill Clinton und mit dem Helmut Kohl. Der Putin, der kann mit dem Schröder und ist allein deswegen schon verdächtig. Überhaupt: War der nicht beim Geheimdienst, der Putin? So ein richtig fieser KGB-Typ? Wie kann man nur so jemanden zum Präsidenten wählen? Gut, war auch mal einer CIA-Chef und anschließend Präsident, OK. Und weil er dann selber nicht mehr konnte, hat er seinen Sohn machen lassen, der war auch bei Skull & Bones. Nette Leute, lupenreine Demokraten auch.

Und jetzt die Wahlen: Da kriegt der Russe doch glatt ein halbes Weißbrot und ein Pfund Möhren, wenn er nur zur Wahl geht! Igitt! Hohe Wahlbeteiligung, bis ins hinterste Irkutsk, da pfeifen wir drauf, im Westen. Wir wollen kaputte Wahlautomaten! Und wir wollen, dass am Ende der gewinnt, der weniger Stimmen bekommen hat. So ist das im Rechtsstaat. Und überhaupt machen wir jede Woche Wahlen, die heißen dann "Sonntagsfragen". Weil das immer so schön aussieht, mit den Balken und den Torten und alles und da gibt's die CDU und die SPD und die anderen paar und dann ist alles gut.

Aber jetzt mal die Sache mit den Raketen: Ja, der Ami braucht nun mal auch Platz für seine Bomben! Und jeder weiß doch, dass man den Iran von Polen und Tschechien aus am besten treffen kann. Nur der Putin, der wollte das wieder nicht, der macht wieder nur Stunk. Der bietet plötzlich an, für den Ahmadineschad das Uran anzureichern. Die stecken doch unter einer Decke da! Der Mullah und der Ivan! Schlimm. Und wir müssen wieder die ganze Arbeit machen, da, im Irak und alles.

Und dann immer diese Propaganda! Da lässt der Putin doch echt Bilder von sich aufnehmen, die überhaupt gar nicht originär mit seiner alltäglichen Arbeit zu tun haben! Putin auf nem Pferd, Putin im U-Boot, Putin mit Pistole am schießen. Schrecklich. Jeder weiß doch, dass die Merkel eigentlich immer an der Ostsee im Strandkorb sitzt. Und die Eröffnung von Schrebergartenanlagen zählt überhaupt zum Hauptaufgabenbereich eines jeden Bundeskanzlers. Und dunkelhäutige Kinder umarmen, dass muss ja schließlich auch einer machen. Das ist Symbolische Politik, das gehört dazu.

Aber, wie gesagt, schlimm. der Putin. Dann hat der zig Zeitungen zumachen lassen, damit die übrigen nur noch schreiben, was der will. Bei uns ist das viel besser, da hat Springer eine Beteiligung an den grünen Postboten, da wollen die lieber keinen Mindestlohn, und da sagt die große Regierungspartei dann gerne auch nein. Da sagt also dann die Presse, was die Regierung machen soll. Ist wie gesagt super hier, mit der Pressefreiheit. So wie in USA, da gibt es echte investigativ ermittelnde vierte Gewalten, so FOX-News und die alle. Da zittert der Bush nur so, wenn der das hört.

Was wir im Westen wollen, das sind so schöne bunte Revolutionen, wie in der Ukraine oder in Georgien. In Georgien, da haben sie damals den Schewardnadse abgesetzt, der hatte mit Kohl und Gorbi noch die Einheit abgesegnet, aber das war dann egal. Und jetzt der neue in Georgien, der hat ja scheinbar alles im Griff. Genau wie die in der Ukraine, was geht es da vorwärts. Da gab es ja den guten Juschtschenko und den bösen Janukowitsch, aber dann war der eine nachher Präsident und der andere Premier, aber das haben die dann nicht mehr so genau gemerkt, im Westen. Und wer jetzt da die Frau mit den geflochtenen Zöpfen nochmal ist, weiß man auch nicht mehr so richtig und ob da an den Korruptionsvorwürfen neulich eigentlich was dran war.

Und dann haben die Russen ja da ihren Schachweltmeister, den Kasparow. Da haben 80 % der Russen wahrscheinlich noch nie von gehört, dass der jetzt in Politik macht, aber das sind ja wieder die Medien schuld. Der Kasparow, der war bei Beckmann und hat erzählt wie schlimm das alles ist in Russland und immer muss der ins Gefängnis. Und demnächst liegt der wahrscheinlich vergiftet irgendwo in London oder mit ner Kugel im Kopf in St. Petersburg. Dabei war der so nett, bei Beckmann!